2008: Türkei/Kurdistan News
Wednesday, August 19th, 2009
Tag Zusammen
Folgendes habe ich nach 4 Wochen - vor allem Südost Türkei (Kurdistan) zu berichten ?
Inzwischen bin ich seit 3 Wochen im Iran ? sitze im Appartement meines Gastgebers am Labtop ? hier ist Teheran ? ich bin seit einer guten Woche hier.
Aber zunächst die Türkei. In unregelmäßiger Reihenfolge ein paar Storys.
Storys:
1. Türkei hat teilweise aus Europaeischen Museen seine Kulturschätze wieder bekommen (nach heftigen Rechtsstreits) die letztendlich aus der Türkei geklaut wurden (Schliemann und co.) ? nur ein kleiner teil ? glücklicherweise ? denn es hat sich herausgestellt dass fast alle dieser Rückgaben inzwischen verschwunden sind und geklaut worden sind ? von Museumsdirektoren (!) und personal verkauft!!
Es gab - seitdem das raus kam - keine weiteren Rückgaben, …
2. Gespräch mit einem Fahrer: warum soll ich nach BRD ? meine verwandten dort jammern nur, dass sie keine Arbeit finden ? ich hab hier welche ? Hauptsache Arbeit.
Wahre Worte.
3. Praktisches Land:
- mein Fotoapparat Mäppchen war ausgerissen. 5 min später schickt mich der nächste Schneider mit einem Zettel um zwei ecken ? ein Schuster näht es in zwei Minuten mit neuem Leder wieder zu ? besser als es vorher war.
- Kreditkarte funktioniert in einem Geschäft nicht? Zahl einfach in EUR mit einem guten Umtauschkurs und bekomme mein Rückgeld in Türkischer Währung ? seeehr praktisch gewesen.
- Fotokopie nötig? Es stehen immer wieder Leute auf der Strasse mit Kopierer ? entweder mit Autobatterie und Trafo oder mit Kabel von befreundetem Shop.
- Erinnerungsphoto gefällig? An schönen Plätzen stehen Menschen mit Digicam und Fotodrucker (wieder Batterie v.a.) ? über USB hast du dein bild gleich in guter Qualität.
4. Burgen ohne Eintritt oder mit schlechtem Zaun sind ein gefährliches Pflaster ? vor 6 Jahren bin ich drei Messerhelden davon gehüpft ? hier warens 2 mal nach erfolglosem Erpress Betteln ? Steine werfende Jungs.
5. Sitzend im AC (AirCon) Bus ein Wasser schlürfend - mit nur Türken ? d.h. keine Touristen (einer spricht immer deutsch) sieht man draußen Leute auf Eseln reiten und Familien mit Plastikflaschen Wasser am nichtganzsauberen Fluss holen. Krasse Kontraste. Nomaden in der art tipis sichtbar gelegentlich. Keine Bäume nahezu immer ? bis zum Horizont in alle Richtungen ? Schätze 3/4 steppen ähnlich. Deshalb oft viele km Sicht (40).
6.Ich erreiche die erste richtig kurdische Stadt ohne Touristen. Nach 10 Minuten hält mich ein Zivilauto mit Zivilpolizisten (Terrorismus Abwehr heißen sie) an und prüft meinen Pass ? nimmt mich danach in einen Barbiershop ? scheucht alle Leute raus - auseinander ? aber sehr freundlich ? ich kann sie fast überzeugen ?dass ich nur ein unpolitischer Tourist bin ? wir reden über Basketball ? einer der Hünen spielt und ist Forward, …aber sie rufen noch einen deutsch sprechenden Hauptkommissar zu rate ? der kommt ? fragt mich auch noch ein bisschen ? kontrolliert Pass ? und ? dann ? … - lädt mich zu sich nach hause ein. Kurzes zögern meinerseits ? dann sage ich zu ? wir fahren zu einer art Kaserne - Panzer ? MG
Soldaten ? ich denke kurz ? upps ? bin ich reingelegt worden und bin doch im Knast ? nein ?
alle Soldaten, Polizisten leben hier hinter mauern ? der Kommissar besser abgeschirmt ? die Soldaten noch besser. Mit ihren Familien in Appartements. Die Frauen ohne Kopftuch in der Stadt sind Ehefrauen von Officers aus dem westen der Türkei. Alle Soldaten und Polizisten sind hier NICHT von hier (vielleicht 5 %) und müssen zwei Jahre hier leben. Überleben. regelmäßig tote. Nicht viele aber regelmäßig. Kaum in der Stadt aber öfters rund um die Stadt. 15 km bis nach Irak ? 15 bis nach Syrien. Freuen sich wenn sie heimkehren.
Mein Gastgeber war 7 Jahre bei der UN in Wien. Deshalb das deutsch. Erst 3 Monate, dann 6 Monate, dann ein Jahr, dann zwei, dann drei- Jahresvertrag oder so. Hat sich bewährt. Mit Frau jetzt in Sirnak (so heißt die Stadt) und Tochter ? in Wien geboren. Frau vermisst Wien sehr. Extreme Einschränkungen in der kurdischen Stadt ? sehr extreme. Sie ist Lehrerein hier. Religion. Beide Gastgeber sind sehr Religiös auf eine vorbildliche weise. Voll tolerant und voll nächstliebend. Ein Humanist und halber Buddhist in meinen Äugen.
Naja ? alte Weisheit: Religion is ? what you do ? when the ceremony is OVER.
Der Mensch hat gerade sein Deutsch Examen bestanden und gilt jetzt als fließend deutsch und englisch sprechender Polizist ? eine extreme Besonderheit in der Türkei. Verändert seine Jobmöglichkeiten sehr.
Er ist übrigens der Chef aller Zivilen Polizisten in der Stadt ? Kriminalkommissar ? er ermittelt bei Straftaten mit seinen Leuten.
Ich bleibe in Kontakt mit ihm. Chance zu besuch in BRD besteht.
Ich bleibe 2 oder 3 tage ? weiß nicht mehr ? ist neun Monate her.
Er vermittelt mir noch Kontakt in der nächsten Stadt ? Hakkari ? das Zentrum des kurdischen Widerstands.
7. In den kurdischen Gebieten ? aber auch schon vorher wird mein nepalesisches Armband bewundert ? es hat gelb grün rote Farben ? die der verbotenen kurdischen flagge ? die Leute haben das teilweise auf 5 Meter gesehen ? hat freundliche Gesichter erzeugt.
8. Eines Tages ? frühstücken Menschen in dem schäbigen Hotel in dem ich abgestiegen bin ? ich setze mich dazu ? werde eingeladen ? trage meinen teil dazu bei ? recht teuere Leckerbissen ? dann ? upps ? es stellt sich heraus dass meine Dinge inzwischen von Würmern besucht sind ? Reaktion ? macht nix ? wegschnippen des Wurms und weiter Essen. Endlich mal ein entspannter Umgang mit nicht verdorbenen (!!) sondern nur ? und das ist nichtwissenschaftlich - ekeligen Lebensmitteln. Ekelig ist sehr relativ ? wir essen teilweise dinge die für 3/4 der Menschheit unvorstellbar sind, …
9. Ein türkisches Bad besuchen ? ich habe es gemacht ? obwohl ich mich nicht verständigen konnte ? genial. Erst Sauna ? sehr voll ? umher fliegender Schweiß ? dann abduschen und einseifen aber ? nach einer Minute kommt jemand der meine Seiferei beendet und es für mich machen will. Die nächsten 20 Minuten machen mich so sauber wie ich noch nie war ? mit einer Schrubbbürste werden ganze Hautröllchen von mir runter gezogen ? Massage und Shampoo folgt, geniale Erfahrung.
10. Einen Tag vor meinem besuch in Dijabakir wurden fünf Polizisten von PKK lern ermordet und viele verletzt. Kommentar: Fünf tote reichen nicht um den normalen Ablauf in der Stadt zu stören. Ist noch im Rahmen. Es stimmt ? mir viel nichts auf. Eine Kontrolle mehr als üblich. Krass. Menschen können sich an vieles gewöhnen.
11. Der dickste Hammer:
Folgende Situation: Rauf und runter in der presse und TV: 350 PKK?ler überfallen Armeeposten ? 17 tote Armeeler und 20 tote PKK?ler. Skandal. Schärferes Vorgehen gefordert, … der schlimmste Vorfall seit 12 Monaten. Böse PKK. Seeehr böse.
Dann.
Es kommt heraus: Tage vor dem Überfall werden von Satelliten und Drohnen die PKK Vorbereitungen und sich Ansammlungen beobachtet. Stunden vorher die Kampfvorbereitungen gefilmt. Minen legen gefilmt.
Die Generäle haben live zugeschaut.
Es wurde nichts getan.
Eine Zeitung bringt die Neuigkeiten heraus. Undichte stellen im Militär.
Was wir alle wissen: Generäle mögen Krieg ? die Waffenindustrie auch ? sie haben nichts getan damit der PKK Kampf schön weitergehen kann. 17 junge Leute von PKK zwanzig sterben lassen ohne es zu verhindern-unglaublich.
Und was passiert nachdem dies herauskommt und das land verwundert aufschreit?
Die Generäle gehen an die Öffentlichkeit ? und ? entschuldigen sich nicht etwa ? sondern bedrohen die Journalisten aufs schlimmste. Ein tobender geifernder Armeechef bedroht die Medien.
Aufschrei im Land. Alle Zeitungen erklären sich solidarisch.
Fortsetzung weiß ich nicht.
Jedenfalls waren die Zeitungen voll von äußerstem Entsetzen über die Rektion des Armeechefs. Aber keine Einschüchterung erkennbar. Aber psychologische Analysen, warum der General wohl ausflippte (Schuldbewusstsein und co, …) ich habe Respekt vor den Medien.
In einem land das in den bisherigen 10 Monaten 29 Folter Tode in Gefängnissen hat. Aber das ist eine neue Geschichte ? ganz aktuell:
12. Vier Linksgerichtete Demonstranten oder so wurden verhaftet, nach ein paar tagen ist einer tot ? Ärzte beweisen zahllose Misshandlungen und Folterungen durch Polizisten. Nichts neues hier. Aber neu ist ? zum ersten mal in der Geschichte der Türkei entschuldigt sich der Justizminister, 19 Leute werden von ihrem job entbunden und werden vielleicht auch irgendwann mal angeklagt. Aber zum ersten mal wird es nicht von der Regierung hingenommen. Das land macht seine ersten Schritte in Richtung Rechtsstaat (bitte nicht arrogant werden ? gefoltert wird nicht nur in der USA, …). ich habe Respekt. Es ist ein langer weg mit vielen Hindernissen aber viele wollen es ? hoffentlich genug auf lange Sicht.
13. Ich frage einen Kurden, was sich in den letzten Jahren getan hat ob er EU gut findet etc. .
Er sagt ? es gibt viele Fortschritte zu einem Rechtsstaat ? z.B. sind willkürliche Verhaftungen nicht mehr möglich die durchaus gängig waren. Jetzt muss ein Richter begründet anordnen oder so.
Technik und Bildung
Eine Message für alle von MIR ? bitte verwendet keinen Blitz bei farbigen alten Dingen. Die
Schilder haben ihren Sinn und sind nicht da um euch von euerem Schnappschuss abzuhalten und zu schikanieren. Verwendet Stativ oder haltet Gegenständen ? das UV licht zerstört die Farben. Bitte. die Kamera ruhig und arbeitet ohne Blitz. Werden eh schönere Bilder!!
In extrem vielen Städten habe ich auf sehr vielen Dächern Solarwasseranlagen gesehen. Noch nie so viele. Sehr populär. Sehr billig. Warum bei uns nicht auch mehr verbreitet?
Leider gibt es immer noch gelegentliche Stromausfälle ? habe vier erlebt.
Jede größere Stadt hat seit neustem TUEVTURK ? der TUEV ist hier angekommen ?
Im TV sind erstaunlich viele türkische Musikkanäle ? Volksmusik würden wir sagen ? scheint populär zu sein.
Schulen haben theoretisch die gleichen Fächer und eine ähnliche Anzahl der Stunden wie bei uns. Science scheint recht oft ein Fach zu sein ? wie in unserer Realschule und glücklicherweise nicht im Gymnasium.
Wie auch im Iran wo ich gerade bin ist Experimentalunterricht oft eine Seltenheit ? im Iran nicht existent ? in Biochemiephysik NIE Experimente im Unterricht.
Die Schulen sind schlechter ausgestattet als bei uns ? v.a. in den NW. Habe drei besucht. Unterscheide z.T. gewaltig zw. Privat (gut) und staatl. (schlecht) ? aber das gibt es auch bei uns, … (nicht am TMG ? )Jes lebe das TMG
Ich
Aufgefallen ist mir ?immer nachdem ich 2 tage in privat Home bin und es zeit für einen Abschied ist von einer Familie die mich aufgenommen hat wie einen eigenen Sohn ? 2 von 2 mal hab ich unwillkürlich Tränen in den Augen ? Klops im Hals. Die Chancen diese Menschen wieder zu sehen ? v.a. die Alten ? ist nahe null. Ein Abschied für immer. Passiert einem zu Hause selten so definitiv. Deshalb wohl die Emotionen.
Bücher die ich bisher toll finde:
Einer flog übers Kuckucksnest (film kennt ja wohl jeder)
Timbuktu (p. Auster)
Restaurants
Immer ein Typ an der Tür kassiert ? nicht selten Geschäftsführer .
Habe in Städten beliebte Restaurants erlebt in denen fast alle die ganze Zeit gejoggt sind ? so viel war zu tun ? sehr professionell ? Tisch decken ? abräumen ? Getränke bringen ? auffüllen ? Bestellung aufnehmen ? Boden putzen ? für alles gibt es ? in der Kleidung abgestuft nach Höherwertigkeit (von Krawattenanzug bis schmutzigem Blaumann mit allen Zwischentönen ) ? Menschen die das unentwegt tun ? volle 40 Tische und bis zu 150 Leute.
Mc. Donalds sehr selten bis nichtexistent im Osten.
Public Transport
Neben sehr billigen landesinternen Flügen gibt es inzwischen einige recht schnelle Züge die auch sehr komfortabel sind und auch extrem billig.
Das Land funktioniert aber v.a. mit einem exzellenten Bussystem. Die Otogars sind teilweise fast Flughafengroß etwas außerhalb der Stadt (z.B. bei Möbel Mann in KA) ? sehr futuristisch und modern ? mit allem was ein Reisender so braucht. Grosse Luxusbusse verbinden alle größeren Städte miteinander ? teilweise sind sie 24 Stunden unterwegs ? das Land ist ja auch 2000 km breit. Sie haben versch. Angestellte ? zwei Fahrer ? ein Kaffee-Tee-Wasser-Keks-Kölnischwasser-Bringer, der auch notfalls ? einmal mal passiert ? den Bus repariert.
Je kleiner der Bus, je kürzer die Distanz ? desto mehr Service fällt weg. Bis Wasser und Parfüm oder nur noch Parfüm oder nix mehr bleibt außer einem Fahrer und das ganze Geld auf dem Armaturenbrett liegt (Fahrten bis maximal 1-2 stunden)
Ach ? ich wurde nie beschissen ? hab eher 2-3mal ne Fahrt geschenkt bekommen.
Die Busse halten ? wie in den meisten Ländern der Welt ? wo man will.
Die Sitzordnung spielt eine wichtige rolle. Oft wird mehrfach rotiert, dass nicht Mann und Frau die sich nicht kennen nebeneinander sitzen müssen. Ausnahmen gibt es wenn Altersunterschied größer 50 oder so - oder Tourist geht auch manchmal als Joker. Einmal wurde ich neben eine Füllige Frau mit vielleicht 50 gesetzt. Sie hat mir mit einem deutlichen Ellbogencheck ihren Unmut darüber gezeigt und mir klar gezeigt wo die Grenze ist .
Kleine Busse fahren entweder vom zentralen Stadtbusbahnhof ab die oft recht chaotisch und unübersichtlich sind ? mit Dutzenden von Bussen die in die nächsten Orte fahren ? oder manchmal ? das ist dann nicht so leicht ? von speziellen Orten innerhalb der Stadt ? z.B. ginge in Karlsruhe der Bus nach Wörth vom ?Mühlburger Tor? ab und der Bus nach Pforzheim vom ?Durlacher Tor?.
Innerhalb der Busse gibt es auch eine Hierarchie was die Wertigkeit der Plätze angeht. Boden stau Kofferraum - zu Sitzplatz Schachtel Kofferraum ? zu Kofferraum Melkschemelplatz ? zu Hauptraum Melkschemel - zu Hauptraum Bank - zu Hauptraum Einzelplatz - zu Platz neben Fahrer.
Von Hasankejf nach Mardin habe ich es von der letzten Wertigkeit bis auf platz drei geschafft. In 40 min. Die Preise sind übrigens gleich. Und wir reden von einem VW/Ford Transit Bus großem Ding mit so 25 Passagieren.
EU
Die Reformen und Gesetzesänderungen sind täglicher Begleiter in den Medien und erfassen das ganze Land in allen bereichen. Ständige Gesetzesänderungen und kleine Bewegungen (siehe die Storys über das Militär und die Folter) in die richtige Richtung. Es gibt auch einige historische dinge die mit EU Geldern schon renoviert werden.
sooo - Fortsetzung folgt.